Klimapolitik: Was die Welt tun könnte

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Aktualisiert am Sat Jul 03 2021

Wahrscheinlich hast du schon in unseren anderen Kursen erfahren, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimaschutz beitragen können. Aber hast du dir schon einmal Gedanken über die Rolle der internationalen Politik bei der Lösung der Klimakrise nachgedacht? In diesem Kurs soll behandelt werden, wie wir politische Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel einsetzen können.

Beginnen wir mit einer großen Erfolgsgeschichte der internationalen Klimapolitik, dem Montreal-Protokoll, um zu zeigen, dass Veränderungen möglich sind.

Was ist das Montreal-Protokoll?

Das Montreal-Protokoll von 1989 ist ein multilaterales Abkommen, in dem vereinbart wurde, die Verwendung von ozonabbauenden Stoffen wie Aerosolen und Kühlmitteln zu reduzieren.

Die Ozonschicht ist eine Gasschicht in der oberen Erdatmosphäre, die das Leben auf der Erde vor der schädlichen ultravioletten Strahlung (UV‑Strahlung) der Sonne schützt. In den 1970er Jahren entdeckten Wissenschaftler:innen jedoch, dass dieser wichtige „Schutzschild“ durch menschliche Einwirkung geschädigt wird.

Man fand heraus, dass die in Aerosolen und Kühlmitteln verwendeten Chemikalien die Ozonschicht zerstören. Sie steigen bis in die Stratosphäre auf, wo sie von der UV-Strahlung der Sonne getroffen werden. Dadurch werden reaktionsfreudige Chloratome freigesetzt, die mit dem Ozon reagieren und es so zerstören. Im Montreal-Protokoll einigte man sich deshalb darauf, zum Schutz der Ozonschicht die Produktion und den Verbrauch dieser ozonabbauenden Stoffe auslaufen zu lassen.

Um wie viel ist der globale Verbrauch von ozonabbauenden Substanzen zwischen 1986 und 2016 gesunken?


1986 war ein Jahr vor dem Beschluss des Montreal‑Protokolls (es wurde im Jahr 1989 unterzeichnet). Diese Reduzierung der ozonabbauenden Substanzen führte auch zu einer Verringerung der Treibhausgasemissionen, da viele dieser Chemikalien auch extrem starke Treibhausgase sind.

Wie viel besser als CO₂ können die schlimmsten ozonabbauenden Substanzen Wärme in der Erdatmosphäre halten[RitchieundRoser2018]?


Ozonabbauende Substanzen sind in der Tat über 10.000 Mal besser als Kohlendioxid darin, Wärme in der Atmosphäre zu halten!

Sieh dir einfach unten den blauen Bereich in der Grafik an. Er zeigt, wie viele Treibhausgasemissionen durch das Montreal-Protokoll schätzungsweise vermieden werden konnten:

Auswirkungen des Montreal-Protokolls auf die Emissionen ozonabbauender Substanzen

Ohne das Montreal-Protokoll hätte sich der Ozonabbau bis 2050 im Vergleich zu heute verzehnfacht und Hautkrebs (verursacht durch übermäßige schädliche UV‑Strahlung der Sonne) würde häufiger auftreten. Wir sehen auch erste Anzeichen für eine Erholung des Ozonlochs in der Antarktis! Aktuellen Daten zufolge nehmen die Emissionen bestimmter ozonabbauender Substanzen aber wieder zu.

Warum war das Montreal-Protokoll deiner Meinung nach so erfolgreich? Wähle alle zu zutreffenden Antworten aus.


Das Montreal-Protokoll verdankt seinen Erfolg nicht nur Regierungen und Wissenschaftler:innen – es war eine Teamleistung! Durch die Teilnahme an den internationalen Konferenzen, die zur Unterzeichnung des Montreal-Protokolls führten, konnte sich der Privatsektor (Teil der Wirtschaft, der gewinnorientierte Unternehmen umfasst, die nicht in staatlichem Besitz sind und auch nicht vom Staat betrieben werden) an Diskussionen beteiligen und mit den Regierungen Kompromisse schließen. So waren sie dazu angehalten, innovative Lösungen zu entwickeln, um in ihren Produkten andere Chemikalien zu verwenden, die weniger schädlich für die Ozonschicht sind.

NGOs (Nichtregierungsorganisationen) spielten mit Kampagnen zur Bewusstseinsbildung ebenfalls eine äußerst wichtige Rolle.

Das Montreal-Protokoll war eine Teamleistung

Das Montreal-Protokoll gilt als eines der erfolgreichsten Umweltabkommen aller Zeiten. Es zeigt, dass die internationale Klimapolitik auch hinsichtlich des Klimawandels etwas verändern kann! Dabei ist aber zu beachten, dass es sich um zwei völlig verschiedene Probleme handelt. Der Klimawandel ist viel schwieriger zu lösen als die Zerstörung der Ozonschicht.

Warum also haben wir andere Klimaprobleme nicht auf die gleiche Weise angepackt? Eine umfassende Reduktion der Treibhausgasemissionen unterscheidet sich von der Ozonproblematik aus drei wichtigen Gründen:

  • Es war relativ einfach, das Problem mit der Ozonschicht gezielt anzugehen, weil weniger Länder ihre finanziellen Interessen zu wahren hatten.
  • Während zur Reduktion einiger Emissionen nur geringfügige Änderungen an Industrieprozessen erforderlich sind, muss die Weltwirtschaft ganz neu gedacht werden, wenn alle Treibhausgasemissionen reduziert werden sollen. Dies liegt daran, dass der globale Energiebedarf weiterhin in erster Linie durch fossile Brennstoffe (Öl, Kohle und Gas) gedeckt wird.
  • Es ist wirklich schwierig, die Last, die von den Ländern zur Bewältigung des Klimawandels getragen werden muss, gerecht auf die Länder zu verteilen.

Die Emissionen in Ländern mit hohem Einkommen waren in der Vergangenheit höher als in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Um wie viel höher waren zwischen 1850 und 2002 die Emissionen von Ländern mit hohem Einkommen im Vergleich zu Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen?


Die Emissionen haben auch in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zugenommen, da ein höherer Lebensstandard angestrebt wird. Dies wirft eine wichtige Frage auf: Wenn der Lebensstandard in Ländern mit hohem Einkommen in der Vergangenheit durch mehr Emissionen angehoben werden konnte, warum sollte dann den Ländern des Globalen Südens diese Möglichkeit verwehrt werden?

CO₂‑Emissionen in Ländern des Globalen Südens und des Globalen Nordens von 1850 bis 2011

Warum muss sich die Politik am Kampf gegen den Klimawandel beteiligen?

Wissenschaftler:innen können zwar innovative Lösungen für den Klimawandel entwickeln, sie können die Menschen aber nicht dazu zwingen, diese umzusetzen. Dafür brauchen wir die Politik! Mit anderen Worten: Die Wissenschaft liefert die Fakten und die Politik trifft auf der Grundlage dieser Fakten dann politische Entscheidungen.

Wissenschaft und Politik müssen zusammenarbeiten

Manchmal benutzen Politiker:innen Gesetze als Mittel, um ihre Ziele zu erreichen – Gesetze regeln unser Verhalten.

Das politische Programm gibt die Richtung vor und umreißt die Maßnahmen, die die Politiker:innen zu einem Thema ergreifen wollen. Manchmal werden Gesetze erlassen, um dieses Programm umzusetzen. Bei der Erstellung ihres politischen Programms berücksichtigen Politiker:innen viele Faktoren, wie z. B. die Wirtschaft und die Wissenschaft.

Die Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel in Politik und Recht ist aber aus drei Gründen nicht immer einfach:

  • Die Erkenntnisse der Klimawissenschaft müssen für politische Entscheidungsträger klar und verständlich dargelegt werden, damit diese die gegenwärtig besten Fakten sorgfältig auswerten und schließlich gut informierte Entscheidungen treffen können.
  • Manchmal mangelt es an politischem Konsens über das Ausmaß und die Art der erforderlichen Maßnahmen, wodurch politische Vereinbarungen und damit die Umsetzung oft behindert werden können.
  • Da die Umweltprobleme immer komplexer werden, wird es zunehmend schwieriger, zwischen die Rolle der Wissenschaft von der Rolle der Politik zu trennen.

IPCC ist eine Organisation, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel für die politischen Entscheidungsträger:innen zusammenträgt. Wofür steht IPCC?


Der IPCC ist das Gremium der Vereinten Nationen (UNO), das politischen Entscheidungsträger:innen regelmäßig wissenschaftliche Einschätzungen zum Klimawandel, seinen Auswirkungen und möglichen zukünftigen Risiken liefert sowie Maßnahmen zur Anpassung an die Klimaänderungen und Eindämmung des Klimawandels vorschlägt. Das bedeutet, dass der IPCC nicht nur die wissenschaftlichen Erkenntnisse betrachtet, sondern mit den möglichen Lösungen befasst und Klimaschutzmaßnahmen gegeneinander abwägt.

IPCC-Berichte umfassen drei Kernbereiche

Obwohl der IPCC sich selbst als neutrales Gremium sieht, das der Politik Informationen zur Verfügung stellt, anstatt ihr Entscheidungen aufzudrängen, besteht der Zweck des IPCC darin, Regierungen beim Klimaschutz in die Entscheidungsfindung einzubinden, was auch als politische Aufgabe betrachtet werden kann. So sind die IPCC-Berichte zum Beispiel eine wichtige Grundlage für die internationalen Verhandlungen zum Klimawandel.

Die Mitgliedsregierungen stützen sich in ihren Entscheidungen auf die IPCC-Berichte. Während die Wissenschaft die internationale politische Zusammenarbeit zur Bekämpfung des Klimawandels als sehr wichtig erachtet, hat diese Zusammenarbeit auch der Klimawissenschaft mehr Legitimität verliehen.

Warum können einzelne Staaten den Klimawandel nicht alleine bewältigen?

Es gibt nicht nur internationale Politik, sondern auch Innenpolitik!

Was versteht man in diesem Zusammenhang unter „Innenpolitik“?


Die Innenpolitik ist zwar eine wichtige treibende Kraft hinter den Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels, reicht alleine aber nicht aus, da der Kampf gegen den Klimawandel ein „Problem kollektiven Handelns“ darstellt. Von einem Problem kollektiven Handelns spricht man, wenn Menschen aufgrund bestimmter Faktoren kein Interesse daran haben, in Kooperation mit anderen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.

Ein einfaches hypothetisches Beispiel für ein Problem kollektiven Handelns betrifft Pendler:innen, die während der Hauptverkehrszeit unterwegs sind. Wenn Pendler:innen nur mit dem Bus oder dem Auto fahren können, ergeben sich die drei im Bild dargestellten Szenarien:

Gemeinsam lassen sich Probleme leichter lösen

Von welcher Option lassen sich Menschen deiner Meinung nach am schwersten überzeugen?


Und welche Option wäre deiner Meinung nach am besten?


Aus dem Bild sehen wir, dass Option 3 zum geringsten Verkehrsaufkommen führt, d. h. die Menschen im Durchschnitt schneller ans Ziel kommen als bei den Optionen 1 und 2. Es ist jedoch schwierig, die Leute davon zu überzeugen, den Bus und nicht das Auto zu nehmen, denn in jedem der drei Szenarien wird jede einzelne Person immer schneller ankommen, wenn sie das Auto und nicht den Bus nimmt! Das Problem des kollektiven Handelns ist also: „Wie überzeugen wir Einzelpersonen, das kurzfristig beste Ergebnis für sich selbst zugunsten des besten Ergebnisses für die Gruppe insgesamt zu opfern?“

Bei der Bekämpfung des Klimawandels geht es im Grunde um das gleiche Problem: Alle Länder müssen zusammenarbeiten, um ein Problem des kollektiven Handelns zu vermeiden. Wie wir im Laufe dieses Kurses herausfinden werden, ist es jedoch viel leichter gesagt als getan, alle zum Mitmachen zu bringen!

Zur Bekämpfung des Klimawandels müssen alle zusammenarbeiten

Das Problem des Klimawandels ist sogar noch komplizierter, weil es zwar kurzfristig teuer sein kann, die Emissionen zu reduzieren, langfristig aber zu erwarten ist, dass der Klimawandel den Lebensstandard und die Wirtschaft auf der ganzen Welt schädigen wird.

Zusammenfassung

Wir haben gelernt, wie wichtig globales Handeln bei der Bewältigung eines globalen Problems ist. Ein Land kann den Klimawandel nicht alleine bekämpfen, deshalb ist es so wichtig zusammenzuarbeiten. Die Länder müssen darauf vertrauen können, dass auch die anderen Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen. So wird jeder eher bereit sind zu handeln, die eigenen Emissionen zu reduzieren und die wirtschaftliche Last zu tragen, die dies vorübergehend verursachen kann. Es geht auch nicht nur um die Zusammenarbeit von Regierungen – im nächsten Kapitel erfahrt ihr mehr über die Rolle der anderen Akteure in der internationalen Klimapolitik.

Nächstes Kapitel