Urbane Landwirtschaft: Sollten wir Lebensmittel in Städten anbauen?

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Aktualisiert am: 14 Dec 2020

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Lebensmittelanbau in Städten

Warum sollten wir Landwirtschaft in die Städte bringen?

Heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten . Für das Jahr 2050 wird vorhergesagt, dass 80% der Lebensmittel in Städten verzehrt werden !

Allerdings sind die Menschen in diesen Gegenden fast vollständig davon abhängig, dass Essen von ländlichen Landwirtschaftsbetrieben in die Städte gebracht wird . Änderungen des Lebensmittelangebots und der -preise können folglich die Versorgungssicherheit gefährden. Auch ist der Zugang zu frischem Obst und Gemüse oftmals stark eingeschränkt .

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Die Nahrungsmittellieferkette

Verfahren wie Konservierung, Trocknung oder Frostung können die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern und Lebensmittelabfälle verringern. Allerdings benötigen diese Verarbeitungsschritte Energie und wichtige Nährstoffe und Vitamine können dabei verloren gehen oder verändert werden .

Nahrungsmittelanbau in Städten verringert diese Abhängigkeit der Stadtbevölkerung vom entfernten Nahrungsmittelangebot und reduziert die Emissionen durch Transport, Verarbeitung und Verpackung .

Allerdings ist der Platz in Städten meist begrenzt . Wo kann also urbaner Anbau betrieben werden?

Haben wir Platz für urbane Landwirtschaft?

Sogenanntes Mikrogärtnern kann eine Lösungsmöglichkeit darstellen. Es bezeichnet den Gemüse-, Obst- und Kräuteranbau auf engem Raum, wie zum Beispiel auf Dächern, Balkonen und Terrassen . Insbesondere Erstere bieten viele flache, sonnige Plätze, auf denen Pflanzen angebaut werden können .

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Mikrogärten

Auch bei begrenztem Platz können Mikrogärten viel Ertrag liefern. Beispielsweise können rund 30 kg Tomaten auf einem Quadratmeter angebaut werden !

Mikrogärten haben auch viele weitere Vorteile für die Umwelt: Sie bieten Lebensräume für Vögel und Insekten, absorbieren CO₂ aus der Luft und reduzieren Luftverschmutzung .

Falls tatsächlich alle geeigneten Dächer in Bologna in Italien für urbane Landwirtschaft genutzt würden, könnten etwa 624 Tonnen CO₂ jedes Jahr aufgenommen und genug Gemüse angebaut werden, um drei Viertel der Stadt zu versorgen !

Um eine ständige Wasserversorgung sicherzustellen, kann Regenwasser aus Regenrinnen, Rohren und Regentonnen genutzt werden, das sonst für die Pflanzen verloren wäre . Lebensmittelabfälle können weiter verwertet werden, z.B. als Kompost zum Düngen der Pflanzen .

Aber nicht jeder hat einen Balkon oder eine Terrasse zur Verfügung und einen Dachgarten anzulegen kann teuer sein . Während sich Menschen in Städten um jeden Zentimeter Land streiten, stehen große Innenflächen leer . Was wäre, wenn wir dort auch Essen anbauen könnten?

Können Lebensmittel drinnen angebaut werden?

Nutzpflanzen können in mehreren Etagen übereinander angebaut werden, was den Ertrag pro Fläche steigert. Das bezeichnet man als vertikale Landwirtschaft (englisch: vertical farming) . Vertikale Farmen können fast überall gebaut werden: in Bürogebäuden , unter der Erde , in Schiffscontainern und sogar im All !

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Vertikale Farmen können im All gebaut werden

In vertikalen Farmen gedeihen Pflanzen oft in Wasser statt in Erde. Dieses System der Hydrokultur bietet Landwirten die Möglichkeit, sicherzustellen, dass Pflanzen Nährstoffe in genau der richtigen Menge erhalten, weil die Nährstoffmenge im Wasser exakt kontrolliert werden kann . Da im Wasser kein Unkraut oder andere Schädlinge gedeihen, kann der Einsatz von Pestiziden reduziert werden .

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Wie funktioniert Hydrokultur?

Da das Wasser wiederverwendet wird, sind Hydrokulturen extrem wassereffizient. Zum Beispiel braucht Salat so 13-mal weniger Wasser als bei klassischen Anbaumethoden .

Allerdings ist eine exakte Überwachung der Umweltbedingungen teuer und braucht viel Energie. Wenn saubere Energiequellen günstiger und mehr genutzt werden, werden diese Kosten hoffentlich sinken .

Bisher haben wir nur diskutiert, wie Pflanzen in Städten angebaut werden können. Was ist mit Fleisch?

Können wir Nutztiere in Städten halten?

Hydrokultur kann mit Aquakultur in einem Kreislaufsystem verknüpft werden, das mit den Ausscheidungen der Fische die Pflanzen düngt . Das nennt man Aquaponik. Wasser aus den Fischbecken wird dabei zu den Pflanzen gebracht, die die Nährstoffe aus den Fischabfällen filtern . Das Wasser wird anschließend aufbereitet und zurück in die Fischbecken geleitet .

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Wie funktioniert Aquaponik?

Aquaponik imitiert natürliche Nährstoffkreisläufe, es wird Kot entfernt, während Wasser gespart wird . Weil das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf bleibt, können die Aquaponiksysteme fast überall aufgebaut werden , auch auf Dächern von Gebäuden !

Fazit

Entwicklungen in der urbanen Landwirtschaft ändern die Einstellung der Menschen zur gesamten Lebensmittelherstellung. Obwohl diese Anbaumethoden viele Vorteile haben, kann damit nicht genug Essen hergestellt werden, um unsere wachsende Bevölkerung zu versorgen . Zur Verbesserung der globalen Ernährungssituation sollte urbane Landwirtschaft mit traditionellen Anbaumethoden kombiniert werden.

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