Lebensmittel & Klima: Die Auswirkungen von Lebensmitteln auf die Umwelt

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Aktualisiert am: 14 Dec 2020

Was ist das Problem mit der Landwirtschaft?

Menschen essen viel. Für den Anbau all der Nahrungsmittel sorgt die Landwirtschaft oder auch Agrarwirtschaft . Durch ihre schiere Größe ist es nicht verwunderlich, dass die Landwirtschaft einer der Hauptverursacher des Klimawandels ist.

Für 82% von diesen Emissionen ist die Landwirtschaft verantwortlich (die orangenen, grünen und gelben Scheiben des untenstehenden Tortendiagrammes) .

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Treibhausgasemissionen aus der Nahrungsmittel-Wertschöpfungskette

Also, woher kommen diese Emissionen?

Energieverbrauch

Einen Bauernhof zu betreiben erfordert Energie. Ein Großteil dieser Energie stammt aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern, was CO₂ in die Atmosphäre freisetzt .

Dünger und Pestizide

Ein Großteil der Chemikalien in der Landwirtschaft benötigt außerdem eine Menge Energie in der Produktion .

Bauern verlassen sich oft auf künstliche Dünger . Dies sind Chemikalien, die bestimmte Nährstoffe enthalten, welche Pflanzen größer, stärker und schneller wachsen lassen .

Image of Stickstoff wird genutzt, um Proteine zu erzeugen

Stickstoff wird genutzt, um Proteine zu erzeugen

Obwohl Dünger sehr nützlich sind, ist deren Produktion alleine für 1,2% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich .

Nicht nur das, die meisten Pflanzen nur 50% des eingesetzten Düngers nutzen können . Der überschüssige Dünger wird oft von Boden-Mikroben zu Lachgas (N₂O) zersetzt , ein Treibhausgas mit einem Erwärmungseffekt 300 mal stärker als CO₂ .

Wenn Dünger in Flüsse oder Seen gelangt, versorgen die darin enthaltenen Nährstoffe Algen and Plankton, welche wiederum die Menge an Licht und Sauerstoff im Wasser reduzieren . Dadurch ersticken Fische und andere Wasserlebewesen .

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Stickstoff-Zyklus auf einem Bauernhof

Pestizide sind eine andere, von Bauern verwendete, Chemikalie. Sie schützen Pflanzen vor Krankheiten, Unkraut und pflanzenfressenden Insekten . Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen wie die Ausbringung von Pestiziden können Ernteverluste bis zu 80% betragen !

Dennoch benötigen diese Chemikalien, ähnlich wie Dünger, Energie in ihrer Herstellung . Sie sind zudem für einen großen Teil der Tier- und Pflanzenwelt giftig . Dazu zählen auch Bestäuber, die bei der Fortpflanzung von Pflanzen helfen , und Mikroben, die den Boden gesund und fruchtbar halten .

Andere Emissionen als CO2

Die Landwirtschaft ist der größte Erzeuger der Treibhausgase Lachgas (N₂O) und Methan (CH₄) und für 80% bzw. 45% der von Menschen verursachten Emissionen dieser Gase verantwortlich .

Wir haben bereits diskutiert, wie N₂O durch Kunstdünger freigesetzt werden kann. Aber woher kommen andere Emissionen außer CO₂ ? Schauen wir uns doch mal die untenstehende Grafik an:

Image of Andere Emissionen in der Landwirtschaft

Andere Emissionen in der Landwirtschaft

Entwaldung und Bodenverschlechterung

Nahezu ein Viertel der Emissionen aus der Lebensmittelproduktion wird freigesetzt, wenn Land für die Landwirtschaft gerodet wird .

Die Landwirtschaft nutzt 50% der bewohnbaren Landfläche der Erde und ist für 80% der globalen Entwaldung verantwortlich .

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Nutzung bewohnbarer Landflächen

Die Pflanzen, die die Bäume ersetzen, speichern weniger Kohlenstoff und halten die Erde nicht so gut zusammen . Das macht den Boden instabil und führt zu dessen Verschlechterung, was wiederum Erdrutsche und Sandstürme nach sich zieht .

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Bodenverschlechterung

Wassernutzung

Obwohl Wasser 71% der Erdoberfläche bedeckt , sind nur 3% davon Frischwasser, also Wasser, das wir zum Trinken, Waschen und zur Bewässerung nutzen können . Rund zwei Drittel des Frischwassers sind in Eis gespeichert und darum nicht verfügbar, weshalb nur 1% des weltweiten Wassers für Menschen direkt zugänglich ist .

Die Landwirtschaft benötigt mit über 70% des globalen Trinkwassers mehr Frischwasser als jede andere Branche .

Lasst uns das ein bisschen genauer betrachten :

Image of Wasser-Fußabdruck verschiedener Lebensmittel

Wasser-Fußabdruck verschiedener Lebensmittel

Der Klimawandel wird diese Probleme nur verschlimmern und im Jahr 2025 werden bis zu zwei Drittel der Weltbevölkerung Wasserknappheit erleiden .

Voraussichtlich wird die Gesamtbevölkerung der Erde im Jahr 2050 9,7 Milliarden Menschen erreichen . Um die wachsende Bevölkerung zu ernähren, müsste die Nahrungsmittelproduktion um 50% - 100% gesteigert werden . Aber wie können wir das erreichen, wenn die Landwirtschaft heute schon so eine hohe Belastung für unsere Ressourcen und unseren Planeten darstellt?

Was ist nachhaltige Landwirtschaft?

Lasst uns kurz wiederholen. Die heutige Landwirtschaft:

  • emittiert ca. 21% der globalen Treibhausgasemissionen ,
  • benötigt eine Menge Energie ,
  • schadet umliegenden Ökosystemen ,
  • benötigt 50% der bewohnbaren Landfläche ,
  • verschlechtert die Böden, was wiederum CO₂ freisetzt und das Pflanzenwachstum behindert ,
  • und ist für 70% der globalen Frischwassernutzung verantwortlich .

Wenn man die Landwirtschaft nachhaltiger gestalten würde, könnte man auf demselben Stück Land Nahrungsmittel anbauen, ohne die natürlichen Ressourcen aufzubrauchen . Zudem ist nachhaltige Landwirtschaft weniger anfällig gegenüber sich ändernden Umwelteinflüssen, was essentiell für eine gesicherte Nahrungsversorgung angesichts des Klimawandels sein wird .

In den nächsten Kapiteln schauen wir uns an, was Erzeuger und Verbraucher tun können, um die Nahrungsmittelproduktion nachhaltiger zu gestalten.

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