Menschen: Warum der Klimawandel Ungerechtigkeiten erhöhen wird

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Aktualisiert am Fri Feb 26 2021

Du magst es egozentrisch nennen, aber wir machen uns viele Gedanken darüber, wie sich der Klimawandel auf die Menschen auswirken wird! In diesem Kapitel schauen wir uns an, was der Klimawandel für das Leben der Menschen bedeutet - für unser Wasser, unsere Nahrung und unsere Gesundheit. Wir werden auch herausfinden, wer am stärksten betroffen sein wird - und warum das völlig ungerecht ist.

Zu viel Wasser - oder nicht genug?

Wasser ist überall! Es befindet sich im Blut und in deinen Zellen und macht etwa 60 % deines Körpergewichts aus. Dennoch haben 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser!

Zu wenig Wasser zu haben, ist ganz schlecht - zu viel Wasser zu haben, aber auch! In den letzten 20 Jahren waren mehr Menschen von Überschwemmungen betroffen als von jeder anderen wetterbedingten Katastrophe. Neben den direkten Todesfällen können Überschwemmungen auch Gebäude zerstören, Erdrutsche verursachen und die Auswirkungen von Krankheiten, die sich über das Wasser verbreiten, verschlimmern.

Die Probleme aufgrund von zu viel oder zu wenig Wasser werden sich verschlimmern, da der Klimawandel trockene Gebiete trockener und feuchte Gebiete feuchter macht (mehr dazu im Kurs "Klimavorhersagen")!

Anzahl der von wetterbedingten Katastrophen betroffenen Menschen (exkl. Todesfälle) zwischen 1995 und 2015

Wie wirken sich Überschwemmungen auf die Wasserversorgung der Menschen aus?


Überschwemmungen können Trinkwasserversorgungsstellen sowie Abwassertanks und -leitungen zerstören. Sie können auch sauberes Wasser mit schmutzigem Wasser oder Meerwasser vermischen, so dass es nicht mehr sicher zu trinken ist. Der steigende Meeresspiegel verschlimmert dieses Problem weiter.

Dürren werden sich mit dem Klimawandel ebenfalls verschlimmern. Dies wird den Zugang zu Trinkwasser weiter bedrohen, auch in vielen Gebieten, die normalerweise nicht trocken sind.

Wie viele Menschen werden 2050 um den Zugang zu Wasser kämpfen?


Das ist mehr als die Hälfte der derzeitigen Weltbevölkerung!

Der fehlende Zugang zu Wasser hat direkte Auswirkungen auf das Trinkwasser und erschwert den Landwirten auch die Bewässerung ihrer Pflanzen. Dürren und Hitzewellen haben in den letzten Jahrzehnten die Getreideerträge im Durchschnitt um 9-10% verringert.

Dürreperioden und Ernährungsunsicherheit

Werden wir genug zu essen haben?

Der Klimawandel wird das Wachstum von Nutzpflanzen auf der ganzen Welt auf sehr unterschiedliche Weise beeinflussen, je nach lokalem Klima und den dort angebauten Pflanzenarten.

Das Wachstum der sieben wichtigsten Nutzpflanzenarten in Europa wird aufgrund des Klimawandels bis 2050 um durchschnittlich 8% zunehmen. Weizen und Zuckerrüben werden besonders stark zunehmen - eine gute Nachricht für einige Frühstücksflocken!

Aber das gilt nur für Europa. Schau dir diese Karte an, die zeigt, wie sich die Ernteerträge bis 2080 voraussichtlich verändern werden:

Veränderung der weltweiten landwirtschaftlichen Erträge bis 2080

Länder, die bereits unter großem Hunger leiden, werden die größten Nahrungsmittelverluste erleiden - ein weiteres Beispiel für die ungleichen und ungerechten Auswirkungen des Klimawandels. Wenn wir den Klimawandel nicht aufhalten, werden bis 2050 Millionen Menschen mehr von Hunger bedroht sein.

Das globale Wachstum von Weizen, Reis, Mais und Sojabohnen wird voraussichtlich abnehmen. Diese Feldfrüchte machen 66% der Kalorien aus, die jeder Mensch auf der Welt zu sich nimmt.

Hauptquellen von Kalorien

Insekten und Krankheiten sind ein weiteres Problem: Sie zerstören derzeit 20% der gesamten Weizen-, Reis-, Mais- und Sojaproduktion. Der Klimawandel wird dies wahrscheinlich noch verschlimmern, da sich Insekten und Krankheiten in Richtung der Pole ausbreiten. Dies könnte die Ertragssteigerungen reduzieren, die für kühlere Klimazonen wie Europa vorhergesagt wurden.

Die Folge für viele Nutzpflanzen ist, dass der Klimawandel die Qualität senken und die Preise erhöhen wird. Mehr über diese Herausforderungen und wie wir sie lösen könnten erfährst du im Kurs „Ernährung und Landwirtschaft“!

Wird unsere Gesundheit betroffen sein?

Ja!

Hitzewellen können eine Menge Probleme für unsere Gesundheit verursachen.

Aufgrund des Klimawandels werden mehr Hitzewellen erwartet, und es wird geschätzt, dass dies zwischen 2030 und 2050 zu 38.000 zusätzlichen Todesfällen pro Jahr führen wird[Hitze]. In Städten wird es bei Hitzewellen noch wärmer sein als im Umland, weil ihre dunklen Oberflächen mehr Wärme absorbieren.

Wie groß ist der Anteil der Weltbevölkerung, der bis 2050 voraussichtlich in Städten leben wird?


Bis 2050 wird die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten leben und daher bei Hitzewellen besonders gefährdet sein.

Ohne sauberes Trinkwasser können die Menschen zudem dehydrieren, was zu Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Körperschäden führen kann. Das Trinken von unsauberem Wasser jedoch kann zu gesundheitlichen Problemen wie Durchfallerkrankungen führen, die weltweit 4 % aller Todesfälle verursachen.

Einige Insekten, die Krankheiten verbreiten, überleben besser in wärmeren Klimazonen. Ein Beispiel: Malaria ist eine von Stechmücken übertragene Krankheit, die jedes Jahr über 400.000 Todesfälle verursacht. Heute treten die meisten Malariainfektionen in Afrika südlich der Sahara auf. Stechmücken bevorzugen warme, feuchte Umgebungen, weshalb sie sich an neue Orte begeben können, sobald diese wärmer werden. Dadurch werden verschiedene Gruppen von Menschen dem Risiko der tödlichen Krankheit ausgesetzt.

Neben Insekten verursachen auch viele Bakterien Krankheiten beim Menschen. Bakterien wachsen schneller, wenn sie wärmer sind. Ebenso beeinflusst die Temperatur ihre Fähigkeit, DNA auszutauschen. In einem wärmeren Klima tauschen Bakterien ihre DNA schneller aus, einschließlich der DNA, die es ihnen ermöglicht, gegen Antibiotika resistent zu werden. Eine zunehmende Antibiotikaresistenz würde die Behandlung vieler Infektionen unmöglich machen.

Luftverschmutzung ist ein weiterer Faktor, der unsere körperliche Gesundheit beeinträchtigen kann. Luftverschmutzung kann Atemprobleme wie Asthma verschlimmern und Lungenkrebs, Schlaganfälle und Herzerkrankungen begünstigen. Es gibt zudem Beweise, dass Luftverschmutzung den Verlauf einer Infektion mit Viren, die über die Luft übertragen werden, verschlimmern kann. Die globale Erwärmung wirkt sich ebenfalls auf die Luftverschmutzung aus, z. B. durch die Zunahme von Waldbränden und die Veränderungen der Gaskonzentrationen am Boden, die bei höheren Temperaturen auftreten.

Wenn nichts dagegen unternommen wird, könnte die Luftverschmutzung bis 2050 allein in den USA jährlich 1.000 bis 4.300 weitere Todesfälle verursachen.

Kurzfristige und langfristige Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit von Menschen

Ungerechtigkeit

Du hast vielleicht schon bemerkt, dass die Auswirkungen des Klimawandels einige Menschen und Orte stärker betreffen werden als andere. Wir leben bereits in einer ungleichen Welt, und der Klimawandel wird sie noch ungleicher machen.

Stell dir vor, jemand anderes hat einen Haufen Gläser zerbrochen, aber die scharfen Scherben überall auf deinem Boden hinterlassen. Noch schlimmer, während sie Schuhe tragen können, um ihre Füße zu schützen, hast du keine!

So ist es auch mit dem Klimawandel: die schlimmsten Schäden werden voraussichtlich die Menschen treffen, die am wenigsten für ihn verantwortlich sind! Mit anderen Worten, die Länder, die weniger Treibhausgasemissionen produzieren, werden am meisten betroffen sein. Hinzu kommt, dass diese Orte oft weniger Ressourcen haben, um sich vor diesen Auswirkungen zu schützen.

Ohne dringende Maßnahmen könnten die Auswirkungen des Klimawandels bis 2030 weitere 100 Millionen Menschen in die Armut treiben. Mehr als 99 Prozent der Todesfälle, von denen man annimmt, dass sie auf den Klimawandel zurückzuführen sind, ereignen sich in Entwicklungsländern - und über 80 Prozent dieser Todesfälle sind Kinder.

Prognosen zufolge wird bis 2050 einer von 45 Menschen auf der Welt aufgrund des Klimawandels seine Heimat verlassen müssen! Dadurch können Menschen möglicherweise abwandern, um Dürre, Überschwemmungen und anderen extremen Wetterereignissen zu entgehen. Der Anstieg des Meeresspiegels zwingt die Menschen schon jetzt, umzuziehen, und wenn die Temperaturen um 3°C steigen, könnten Küstenstädte wie Miami und Shanghai komplett unter Wasser stehen!

All diese Folgen werden wahrscheinlich zu mehr Konflikten zwischen verschiedenen Gemeinschaften und Ländern führen. Sowohl Armut, Ressourcenmangel als auch Migration können zu Konflikten führen und für jeden dieser Faktoren wird erwartet, dass er sich durch den Klimawandel verschlechtert.

Zusammenfassung

Der Klimawandel wird Auswirkungen darauf haben, wie Menschen leben und sterben. Von extremen Wetterkatastrophen bis hin zu unserer Wasser- und Lebensmittelversorgung müssen diese Folgen ernst genommen werden.

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