Geschichte: Was hat die Weltpolitik bisher erreicht?

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Aktualisiert am Fri Aug 06 2021

Welche Lösungen können globale Politiken bieten?

Angesicht der Schwere des Klimawandels, scheint es sinnvoll, rechtsverbindliche Verpflichtungen zu schaffen. Allerdings ist dies nicht immer einfach.

Warum kann es schwierig sein, internationale rechtsverbindliche Verpflichtungen zu schaffen?


Internationale Abmachungen rechtlich bindend zu machen, könnte Länder davon abhalten, überhaupt teilzunehmen oder zu weniger ambitionierten Zielen führen, um weiterhin unabhängig zu bleiben.

Angesichts der genannten Schwierigkeiten, fragst du dich vielleicht, wie man Länder dazu bringen kann, sich an der globalen Politik zu beteiligen. Nun, es gibt zwei verschiedene Lösungsansätze:

  • Harte Ansätze, wie die Schaffung neuer Rechtsrahmen
  • Weiche Ansätze, möglicherweise ohne rechtliche Verpflichtungen

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 verfolgt zum Beispiel eine Mischung aus harten und weichen Ansätze. Es hat insofern einen harten Ansatz, als dass jeder Staat einen national bestimmten Beitrag (NDC) leisten musss - dies ist eine Verpflichtung, die angibt, wie die eigenen Emissionen reduziert werden und die Anpassung an den Klimawandel erfolgen kann.

Zum Erreichen der NDCs wird aber auch ein weicher Ansatz benötigt, weil die einzelnen Zielsetzungen in jedem NDC nicht gesetzlich durchsetzbar sind. Ein Wissenschaftler hat die Mischung aus harten und weichen Ansätzen als Crème Brûlée bezeichnet - ein Nachtisch, der aus einer weichen Puddingcreme und einem harten, knusprigen Deckel besteht!

Das Pariser Abkommen enthält eine Mischung aus harten und weichen Verpflichtungen

Zwischenstaatliche and transnationale Ansätze

Du hast nun gelernt, dass globale Politik nicht nur aus den Beziehungen zwischen Ländern besteht, sondern noch viel mehr Personen und politische Beziehungen involviert sind.

Lösungen können also sowohl zwischen zwei Ländern beschlossen werden (ein zwischenstaatliches Abkommen), als Maßnahmen beinhalten, die über die Grenzen einzelner Länder hinausgehen (ein transnationales Abkommen).

Im vorhergehenden Kapitel haben wir die Bedeutung von nichtstaatlichen Akteuren und substaatlichen Akteuren in verschiedenen Initiativen, die zur Lösung des Klimawandels beitragen, erfahren - sie waren Beispiele für einen transnationalen Ansatz zur Bekämpfung des Klimawandels! In diesem Kapitel werden wir uns mehr auf zwischenstaatliche Ansätze konzentrieren.

Was denkst du, welcher ist der wichtigste Ansatz, den die Weltpolitik beschlossen hat, um den Klimawandel zwischenstaatlich zu lösen?


Was also ist ein Vertrag? Ein Vertrag ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Ländern, die dem Völkerrecht unterliegt
- sie sind also ein Beispiel für einen zwischen-staatlichen Ansatz. Der übergreifende Vertrag der die Bekämpfung des Klimawandels zum Ziel hat, ist die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von 1992 (UNFCCC).

Das UNFCCC hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen in unserer Atmosphäre zu stabilisieren, gefährliche Eingriffe des Menschen in das Klimasystem zu verhindern und hat eine nahezu universelle Mitgliedschaft - 197 Länder sind Mitglieder. Der Vertrag legt den Ländern mit hohem Einkommen die größte Last bei der Lösung der Klimakrise auf, da sie die die meisten früheren und aktuellen Treibhausgasemissionen verursacht haben.

In diesem Kapitel schauen wir uns zwei weitere wichtige Verträge an, die im Rahmen des UNFCCC von 1992 vereinbart wurden: das Kyoto Protokoll von 1997 und das Pariser Abkommen von 2015.

Klimakooperationen im Laufe der Zeit

Was war das Kyoto Protokoll von 1997 und was hat es erreicht?

Das Kyoto Protokoll ist ein wichtiges Abkommen, weil es das Erste war, dass Länder mit hohem Einkommen dazu verpflichtete, ihre CO₂ Emissionen und andere Treibhausgase zu reduzieren.

Zunächst haben sich die Länder mit hohem Einkommen zu verbindlichen Emissionsreduktionen von 2008 zu 2012 verpflichtet. Im Jahr 2012 haben einigten sich die Parteien auf die Übernahme neuer Verpflichtungen im Zeitraum 2013-2020.

Die Politik ist jedoch langsam - in welchem Jahr stimmten genügend Länder den Verpflichtungen zu, um sie rechtverbindlich zu machen?


Obwohl das Abkommen 2012 beschlossen wurde, stimmten erst 2020 genügend Länder diesem zweiten Satz Verpflichtungen zustimmten, um sie rechtsverbindlich zu machen! Es ist zwar großartig, dass Länder gemeinsam an der Bekämpfung des Klimawandels arbeiten, jedoch muss das schnell gehen!

Das Kyoto Protokoll ermutigte die Unterzeichnenden zu Maßnahmen zur Emissionsreduzierung und schuf zusätzlich drei marktbasierte Mechanismen, um eine weitere Möglichkeit zur Zielerreichung zu bieten:

  • Internationaler Emissionshandel im Kyoto Protokoll: wenn ein Land mit einem hohen Einkommen weniger ausgestoßen hat, als es sich zum Ziel gesetzt hat, kann es die verbleibenden Emissionskapazitäten an ein anderes Land mit hohem Einkommen verkaufen, das seine Emissionsziele überschritten hat. Dies schafft einen "CO2-Markt".
  • Der saubere Entwicklungsmechanismus: Länder mit hohem Einkommen können in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen in Projekte zur Emissionsreduktion investieren - diese zählen dann zu den eigenen Emissionsreduktionszielen.
  • Gemeinschaftsreduktion: Ein Land mit hohem Einkommen kann in ein Projekt zur Emissionsreduktion in einem anderen Land mit hohem Einkommen investieren, das für ihre eigenen Emissionsreduktionsziele zählt.

Diese Mechanismen ermöglichen die Einführung von Emissionsminderungsmaßnahmen dort, wo sie am kostengünstigsten sind.

Die 3 marktgestützten Mechanismen im Rahmen des Kyoto Protokolls von1997

Die Errungenschaften des Kyoto Protokolls im ersten Verpflichtungszeitraum (2008-2012)

Wie viele der 36 Länder mit hohem Einkommen, die gesetzlich durch das Kyoto-Protokoll gebunden sind, haben mehr emittiert, als die Menge, zu der sie sich verpflichtet haben?


Von 36 Ländern haben nur 9 höhere Treibhausgaswerte emittiert als wozu sie sch verpflichteten - diese Länder haben sich auf die Flexibilität der drei marktbasierten Mechanismen berufen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Insgesamt wurde das kollektive Engagement jährlich um durchschnittlich 2,4 GtCO₂e übertroffen.

Obwohl die Länder mit hohem Einkommen das Kyoto Protokoll einhalten konnten, trug dies nicht viel zum langsameren Anstiegs der globalen Emissionen bei, wie du in der untenstehenden Graphik sehen kannst!

Das Kyoto Protokoll hat die globalen CO2-Emissionen nicht verringert

Tatsächlich:

  • Trotz des Kyoto-Protokolls stiegen die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase (Kohlendioxid, Methan und Stickoxide) zwischen 1997 und 2015.
  • 1997 beliefen sich die weltweiten Emissionen auf 24,4 Milliarden Tonnen CO₂, 2011 waren es 33,9 Milliarden Tonnen.

Wenn das Kyoto Protokoll also seine Ziele im ersten Verpflichtungszeitraum erreicht hat, warum wurde der so wenig abgemildert Klimawandel? Es gibt vier Hauptgründe, warum das Kyoto Protokoll seine Ziele erreicht hat und trotzdem keine Fortschritte bei der Bekämpfung des Klimawandels gemacht hat:

  • Einige Emissionsminderungen hätten aufgrund von wirtschaftlichen Veränderungen in einigen Regionen sowieso stattgefunden.
  • Die USA und Kanada waren nicht an der Vereinbarung beteiligt. Obwohl die USA das Kyoto Protokoll unterzeichnet haben, hat sich Präsident Bill Clinton geweigert, es offiziell gültig und verbindlich zu machen, solange nicht auch China und andere Länder mittleren Einkommens zustimmten, ihre Emissionen ebenfalls zu senken.
  • Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 trug zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bei.
  • Ein weiterer Faktor war, dass einige Industrietätigkeiten aus Ländern mit hohem Einkommen in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen verlagert wurden. Obwohl eine Nation ihre Kohlenstoffproduktion verringert, kann sie durch den Import kohlenstoffintensiver Produkte aus anderen Ländern weiterhin zum Ausstoß von Emissionen beitragen.
Westeuropa de-industrialisierte sich schnell

Welches Potential bietet das Pariser Abkommen von 2015 zur Lösung des Klimawandels?

Das Pariser Abkommen von 2015 ist der letzte große Klimavertrag. Ein wichtiger Aspekt ist die Vereinbarung, den globalen durchschnittlichen Temperaturanstieg auf 'deutlich unter 2°C' des vorindustriellen Niveaus zu halten und sich zu bemühen, das Limit von 1,5°C einzuhalten. Doch dies ist nicht das einzige Ziel des Pariser Abkommens!

Die Ziele des Pariser Abkommens von 2015

Das Temperaturziel klingt vielversprechend, aber wie gedenkt das Pariser Abkommen dieses zu erreichen?


Im Gegensatz zum Kyoto-Protokoll, wo Lände Ziele zur einheitlichen Emissionsreduktion formulierten,, erlaubt das Pariser Abkommen den Ländern, ihre eigenen Ambitionen individuell durch national festgelegte Beiträge (NDCs) zu setzen - denk an die Crème Brûlée mit weichen und harten Ansätzen vom Anfang diese Kapitels!

NDCs werden von den Ländern selbst entschieden, unterliegen aber internationalen Überprüfungen, wodurch das Pariser Abkommen deutlich flexibler ist als das Kyoto Protokoll.

Im Gegensatz zum Kyoto Protokoll, sind es beim Pariser Abkommen von 2015 nicht nur Länder mit hohem Einkommen, die sich zu NDCs verpflichtet haben:

Länder, die 99 % der weltweiten Emissionen ausstoßen, haben bis Januar 2017 ihre geplanten Klimaversprechen (NDCs) vorgelegt

Während die Flexibilität des Pariser Abkommens von 2015 scheinbar mehr Länder zum Unterzeichnen ermutigt hat, gilt es noch abzuwarten, ob dies tatsächlich zu größeren Emissionsreduktionen führt!

Nun zur wichtigsten Frage: Ist es realistisch, mit dem Pariser Abkommen das 1,5°C-2°C Grad zu erreichen?

Bisher ist es schwierig zu sagen und das Bild ist gemischt...

Aktuelle NDCs sind nicht ehrgeizig genug, um die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 zu erreichen. Weshalb?

Nun, jedes Land hat seine NDCs festgelegt, ohne zu beachten, ob das Ziel global betrachtet eine gerechte Anstrengung bedeutet und ohne die kollektive Leistung zu berücksichtigen, die jedes Land erreichen muss, um das 2°C Ziel erreichen zu können.

Darüber hinaus hätte das Erreichen des 1,5°C Grenzwertes schwierige Folgen für Länder wie beispielsweise Indien, das noch immer mit weitreichender Armut zu kämpfen hat. Das ist so, weil bis zu einem gewissen Grad, der Energieverbrauch (besonders Elektrizität) eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung - welche ein verbessertes Gesundheitssystem, Bildung und Lebensstandards miteinschließt - verbunden ist. Dennoch ist die Einhaltung der NDCs für viele Länder mit niedrigem Einkommen eine Voraussetzung, um internationale Finanzierungen und technische Unterstützung zu bekommen und sich dadurch weiterentwickeln nachhaltig zu können.

Dies könnte problematisch werden, da es bislang weder eine wissenschaftliche noch politische Einigung über die prognostizierten Kosten für die globale Anpassung an den Klimawandel gibt.

Die gute Nachricht ist, dass das Pariser Abkommen von 2015 einen Rahmen zur Verbesserung der NDCs über Zeit bietet. Allerdings ist es unklar, ob die schrittweise Erhöhung der NDCs ausreichend schnelle Änderungen erzielt, die zum Erreichen der Klimaziele nötig sind.

Was ist der vorhergesagte Temperaturanstieg von 2100, verglichen mit dem vorindustriellen Niveau, wenn die aktuellen Ziele und Versprechen der Länder umgesetzt werden?


Das ist ziemlich weit entfernt vom Pariser Abkommen! Wenn wir an diesem Ziel festhalten wollen, müssen wir die Emissionen im nächsten Jahrzehnt um jährlich 7,6% senken.

Dem Abkommen von Paris fehlt es auch an Durchsetzungsmechanismen, um sicherzustellen, dass die Länder ihre NDCs einhalten. Dafür gibt es jedoch einige Lösungen:

  • Alle fünf Jahre wird es eine "globale Bestandsaufahme" geben, um den kollektiven Fortschritt auf dem Weg zu den langfristigen Zielen des Pariser Abkommens zu bewerten.
  • Ein Transparenz-Rahmen zielt darauf ab, Länder durch Gruppenzwang und öffentlichen Druck zur Verantwortung zu ziehen.

Ein letzter Punkt, der Anlass zur Sorge gibt: Das Pariser Abkommen weist nicht explizit auf den Ausstieg aus fossilen oder das Ende von Subventionen für fossile Brennstoffe hin - obwohl die gesetzten Ziel dies implizieren.

Welche Rolle spielten nicht-staatliche und subnationale Akteur:innen beim Pariser Abkommen?

Wichtige Akteur:innen für das Pariser Abkommen von 2015

Die meisten Expert:innen sind der Meinung, dass nichtstaatliche Akteure und subnationale Regierungen eine wichtige Rolle dabei gespielt haben, vor dem Pariser Abkommen eine Dynamik zu erzeugen, die die Länder dann nur ungern unterbrechen wollten.

An den Vorbereitungstreffen zur Schaffung des Pariser Abkommens nahmen auch Unternehmensspitzen und NGOs teil und nicht nur Länder. Auf der nationalen Ebene waren subnationale Regierungen und nicht-staatliche Akteur:innen wichtig beim Setzen der NDCs, beispielsweise in Chile und Indien.

Auf dem Gipfel in Paris erkannten die Regierungen die Bedeutung dieser anderen Akteur:innen. Zum Beispiel haben die Regierungen „Hochrangige Champions“ ernannt, um zusätzliche Aktionen von subnationalen Regierungen und nicht-staatlichen Akteur:innen zu mobilisieren.

Insgesamt zeigt es, dass obwohl das Pariser Abkommen von 2015 ein Abkommen zwischen Ländern ist, auch andere Akteur:innen eine Rolle bei der Entwicklung und Ausformulierung dieses bedeutenden Abkommens spielten.

Welche Hoffnung gibt es für die Zukunft der globalen Klimapolitik?

Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht nur die Länder eine Rolle bei globalen Klimapolitiken spielen - auch nicht-staatliche Akteur:innen und sub-staatliche Akteur:innen sind wichtig.

Um verstehen zu können, welche Hoffnungen die globale Klimapolitik in der Zukunft geben kann, müssen wir zunächst die gegenwärtigen politischen Grenzen als Lösung des Klimawandels begreifen. Dies wirst du im letzten Kapitel dieses Kurses erfahren!

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