Zusammenarbeiten: Warum es schwer ist und wie wir es schaffen können

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Aktualisiert am Fri Jul 02 2021

In der Vergangenheit konzentrierte sich die globale Politik auf internationale Beziehungen, also die Beziehungen von Ländern miteinander. Im Laufe der Zeit hat sich das verändert und nun sind viele verschiedene Akteure daran beteiligt.

Welche anderen Gruppen könnten eine Rolle in der Klimapolitik spielen?


In diesem Kapitel erfahren wir, wie all diese verschiedenen Akteure miteinander in Beziehung stehen und zur globalen Klimapolitik beitragen.

Die globale Politik hat sich in letzter Zeit geändert

Wie beeinflussen Länder die globale Klimapolitik?

Was können einzelne Länder auf internationaler Ebene gegen den Klimawandel unternehmen?


Auf internationaler Ebene können Länder durch Staatsverträge (schriftliche Abkommen zwischen Ländern, die internationalem Recht unterliegen) Richtlinien und Gesetze schaffen. Teilweise können Länder sich gegenseitig verklagen (oder ein Compliance-Verfahren einleiten), wenn sie diese Gesetze nicht einhalten.

Staaten können auch nationale Gesetze und Richtlinien erlassen, die ebenfalls internationale Auswirkungen haben können. So arbeiten chinesische Firmen, die in Länder mit hohem Einkommen exportieren (also Produkte oder Dienstleistungen dorthin verkaufen), umweltfreundlicher, da in diesen Ländern Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten herrscht.

Wie wir im letzten Kapitel dieses Kurses lernen werden, sind die Länder bei der Bewältigung des Klimawandels mit Hilfe der Politik mit vielen Einschränkungen konfrontiert; aber sie sind nicht die einzigen wichtigen Akteur:innen in dieser Angelegenheit!

Wie tragen nichtstaatliche Akteur:innen zur globalen Klimapolitik bei?

Internationale Organisationen

Internationale Organisationen

Internationale Organisationen sind Institutionen, die aus Mitgliedern aus mehr als einem Land gebildet werden und internationalem Recht unterliegen (das sind Regeln, die die Beziehungen zwischen den Ländern regeln[Def1]). Beispiele hierfür sind die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation und die Welthandelsorganisation.

Ein interessantes Beispiel für eine internationale Organisation im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist die Allianz der kleinen Inselstaaten (AOSIS), eine Gruppe kleiner, niedrig liegender Insel- und einkommensschwacher Küstenstaaten. AOSIS hilft seinen Mitgliedern zusammenzuarbeiten, indem sie Ressourcen bündeln und ihre kollektive Stimme in Klimaverhandlungen verstärken.

Wie viele Mitgliedsländer hat AOSIS?


AOSIS war eine der ersten Gruppen, die die Gefahren der Treibhausgasemissionen für die internationale Gemeinschaft hervorhob und die Gefahr eines Anstiegs des Meeresspiegels deutlich gemacht hat. Seit 2008 fordert AOSIS, dass das internationale Ziel sein sollte, die Erwärmung auf 1,5°C zu beschränken. Als hart erkämpfter internationaler Kompromiss beinhaltet das Übereinkommen von Paris, ein wichtiger Klimaschutzvertrag aus dem Jahr 2015, einlangfristiges Temperaturziel von „deutlich unter“ 2°C über dem vorindustriellen Niveau, während „weitere Anstrengungen“ verfolgt werden sollen, um dieses auf 1,5°C zu begrenzen.

Die 1,5°C-Kampagne von AOSIS

Nichtregierungsorganisationen (NGOs)

NGOs spielen eine wichtige Rolle in der globalen Klimabewegung.

Was glaubst du: Welche Art Einfluss haben NGOs? Wähle alle zutreffenden Antworten aus:


Auch wenn NGOs üblicherweise keine offizielle Entscheidungskraft in internationalen Verhandlungen haben, hält sie das nicht davon ab, Einfluss auf internationale Klimawandelverhandlungen auszuüben. NGOs verfügen meist über Informationen, mit denen sie andere überzeugen oder sie zwingen (etwa indem sie jemanden an den Pranger stellen, um andere zu beeinflussen). NGOs beteiligen sich auch an Protesten, Kundgebungen und Demonstrationen innerhalb und außerhalb von Verhandlungssälen.

Unterschiedliche Beiträge von NGOs zur globalen Klimapolitik

Manchmal arbeiten NGOs zusammen, um ihre Ziele zu erreichen. So ist etwa das Climate Action Network International (CAN) ein weltweites Netzwerk von über 1.500 NGOs aus mehr als 130 Ländern, das daran arbeitet, Regierungen dazu zu bringen, in der Bekämpfung der Klimakrise tätig zu werden. Ihre Mitglieder tauschen Informationen über internationale, regionale und nationale Klimapolitik und -fragen aus und koordinieren diese. CAN ist auch an internationalen Klimaverhandlungen beteiligt.

Der Privatsektor

Der private Sektor ist der Teil der Wirtschaft, der gewinnorientierte Unternehmen umfasst, die nicht im Besitz einer Regierung sind oder von einer betrieben werden. Er hat sowohl positive als auch negative Einflüsse auf die Bekämpfung des Klimawandels.

Ein Bereich innerhalb des privaten Sektors, der großen Einfluss auf den Klimawandel hat, ist die Erdölbranche. Erdölunternehmen tragen massiv zu Treibhausgasemissionen bei – sowohl in der Herstellung ihrer Produkte als auch die Produkten selbst. Abgesehen davon haben sie auch enorme Geldressourcen für Lobbying zur Verfügung, um die Politik zu bestimmten Gesetzen zu drängen, die die fossile Brennstoffindustrie begünstigen.

Was glaubst du: Wie viel Geld haben die größten Ölgesellschaften (ExxonMobil, Royal Dutch Shell, Chevron, BP und Total) in den drei Jahren nach Abschluss des Pariser Übereinkommens 2015 in irreführende klimabezogene Markenpolitik und Lobbying investiert?


Eine Möglichkeit, wie die Erdölunternehmen Einfluss nehmen ist Werbung. So haben etwa ExxonMobil und andere Ölgrößen sowie deren Repräsentanten in den vier Wochen vor den US-amerikanischen Zwischenwahlen 2 Millionen US-Dollar in gezielte Facebook- und Instagram-Werbungen investiert, die die Vorteile einer gesteigerten Produktion von fossilen Brennstoffen bewarben. Weiters unterstützten sie erfolgreich den Widerstand gegen etliche wichtige klimabezogene Initiativen, die ebenfalls zur Wahl standen.

Ölgesellschaften geben nicht genug für saubere Energie aus

Um die schädlichen Auswirkungen des Lobbyismus zu verringern, brauchen wir Regeln, um die Beiträge privater Unternehmen zu den Kampagnen und Ausgaben von Politiker:innen zu steuern. Darüber hinaus sollten Gesetze, die die Offenlegung von politischen Wahlkampfspenden durch Unternehmen erfordern, gestärkt werden.

Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten aus dem Privatsektor! Tatsächlich kann der private Sektor auch positive Auswirkungen auf den Klimawandel haben.

So wurde etwa Climate Action 100+ als eine von zwölf weltweit wichtigsten Initiativen zur Bekämpfung des Klimawandels hervorgehoben. Climate Action 100+ ist eine von Investoren geführte Initiative, die sicherstellen soll, dass die weltweit größten Treibhausgasverursacher im privaten Sektor Maßnahmen ergreifen, um die Gesellschaft auf den Weg zu bringen, die Ziele aus dem Pariser Übereinkommen von 2015 zu erreichen.

Bisher haben sich mehr als 500 Anleger:innen für die Initiative angemeldet. Was glaubst du: Wie viel ist ihr Vermögen wert?


Neben diesen Investor:innen sind viele Unternehmen aufgrund des Engagments von Climate Action 100+ neue Klimaverpflichtungen eingegangen.

Welche Rolle spielen regionale Regierungen in der globalen Klimapolitik?

Regionale Regierungen sind Verwaltungsapparate auf einer lokalen Ebene, einschließlich kommunale, regionale und Provinzregierungen.

While subnational governments do not negotiate treaties in the same way as whole countries, they are critical in helping to shape international climate action: they help to deliver policies on the ground; and they have the experience, expertise, and influence to support the development of progressive policies in their region. Local governments can be more nimble when national governments fail to intervene and they can act as testers for experimental policies.

Die Bedeutung regionaler Regierungen

Schauen wir uns ein Beispiel an.

1992 wurde Mexiko-Stadt in Mexiko von der UNO als die am stärksten verschmutzte Stadt der Welt betrachtet. Heute jedoch hat sich Mexiko-Stadt zu einem Umweltführer unter den Städten in Ländern mit mittleren oder niedrigen Einkommen entwickelt.

Welche der folgenden Maßnahmen hat Mexiko-Stadt umgesetzt, um diese Veränderung zu erreichen?


Die Stadt hat auch ein Rad-Sharing-Programm eingeführt, das von anderen lateinamerikanischen Städten übernommen wurde. Das zeigt, dass sogar die Handlungen einer einzigen Stadt internationalen Einfluss haben können!

Die Veränderungen in Mexiko-Stadt zur Verringerung der Emissionen

Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass Mexiko-Stadt seine Kohlenstoffemissionen in vier Jahren (2008 bis 2012) um 7,7 Millionen Tonnen reduzieren konnte. Jetzt plant die Stadt noch 20 Millionen Bäume zu pflanzen, schadstofffreie Korridore für die Stadtbuslinien einzurichten, ein neues Transportsystem mit sauberer Energie aufzubauen und die Verwendung von Solarenergie in Krankenhäusern und öffentlichen Gebäuden auszubauen.

Können Einzelpersonen die globale Klimapolitik beeinflussen?

Einzelne engagieren sich auch in der globalen Klimapolitik und wir meinen nicht nur Politiker:innen!

Welche der folgenden Personen ist besonders für ihren Umweltaktivismus bekannt?


Während alle oben genannten Personen wichtige Aktivist:innen sind, ist es Autumn Peltier, die sich besonders auf die Umwelt konzentriert. Viele Aktivist:innen sind recht jung: Autumn wurde zum Beispiel erst 2004 geboren, hat aber schon einiges erreicht!

Autumn gehört dem Anishinabe-Volksstamm an, kämpft für sauberes Wasser und das Klima und stammt von der Wiikwemkoong First Nation auf der Insel Manitoulin in Kanada. Im Alter von nur 12 Jahren kritisierte Autum 2016 den kanadischen Premierminister Justin Trudeau für seine Strategie für sauberes Wasser. Das hat national zu einer Veränderung geführt: Seit 2015 arbeitet die kanadische Regierung daran, kontaminiertes Wasser für die First Nations (d. h. alle indigenen Völker in Kanada) zu reinigen. Aber es muss noch mehr getan werden, da es immer noch Menschen gibt, die ihr Wasser nicht sicher trinken können, ohne es vorher abzukochen.

Autumn Peltier spricht bei internationalen Veranstaltungen

Einzelpersonen arbeiten nicht immer alleine, sondern arbeiten oft auch zusammen!

So haben sich Menschen etwa zusammengefunden, um Protestbewegungen wie Fridays for Future zu bilden. Fridays for Future ist eine internationale Jugendbewegung, die von Greta Thunberg, einer weiteren jungen Klimaktivistin, inspiriert wurde. Die Bewegung hat drei Hauptforderungen:

  • den globalen Temperaturanstieg unter 1,5°C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu halten;
  • Klimagerechtigkeit sicherzustellen (Wir werden im letzten Kapitel dieses Kurses lernen, was das bedeutet!); und
  • auf die besten aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu hören, die verfügbar sind.

Eine der wichtigsten Methoden von Fridays for Future sind Schulstreiks, bei denen Kinder und Jugendliche die Schule schwänzen, um gegen die Untätigkeit bezüglich des Klimawandels zu demonstrieren. Fridas for Future wird von Wissenschafter:innen auf der ganzen Welt unterstützt und hat in den Medien große Aufmerksamkeit erregt.

Solche Initiativen haben Einfluss auf die Ansichten von Menschen: Die Daten deuten darauf hin, dass globale Bewegungen des zivilen Ungehorsams (sich weigern, die Regeln und Forderungen der Regierung auf eine gewaltlose Art und Weise zu befolgen), die auf den Klimawandel ausgerichtet sind – einschließlich Fridays for Future und das Extinction Rebellion – zusammen mit traditionellen wissenschaftlichen Berichten wichtig für die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und das Engagement gegen den Klimawandel sein könnten.

Wie kann die öffentliche Meinung Einfluss auf die Weltpolitik nehmen? Nun, die meisten Expert:innen sind sich einig, dass die öffentliche Meinung Einfluss auf die öffentliche Politik hat und dass eine stärkere öffentliche Meinung wahrscheinlich einen stärkeren Einfluss auf die öffentliche Politik hat!

Einzelpersonen demonstrieren für mehr Klimaschutz

Zusammenfassung

Wie wir in diesem Kapitel gesehen haben, ist es zwar wichtig, dass Länder Maßnahmen setzen, um ihre Emissionen zu verringern, aber viele weitere Akteur:innen sind ebenfalls wesentlich dafür, den Klimawandel durch eine weltweite Klimapolitik zu bewältigen. Es ist wirklich Teamarbeit gefragt!

Die globale Klimapolitik ist Teamarbeit!
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