Landwirtschaft: Veränderung der Landwirtschaft zur Anpassung an den Klimawandel

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Aktualisiert am: 14 Dec 2020

Die Herstellung unserer Nahrungsmittel ist durch den Klimawandel bedroht\u00A0. Unser landwirtschaftliches System ist stark von unserer physischen Umgebung abhängig und obwohl die Landwirt:innen an Schwankungen im Klima gewöhnt sind\u00A0, berichten viele bereits von Schwierigkeiten aufgrund unvorhersehbarer Wetterereignisse und Jahreszeitenschwankungen . Diese Klimaveränderungen beeinflussen die Ausprägung und Verbreitung von Unkraut und Pflanzenkrankheiten\u00A0. Was den Druck auf unsere Nahrungsmittelproduktion weiter erhöht, ist, dass die menschliche Bevölkerung bis zum Jahr\u00A02050 9,7\u00A0Milliarden Menschen übersteigen soll\u00A0 (siehe Kapitel „Lebensmittel & Klima“ in unserem Kurs „Ernährung und Landwirtschaft“). Daher sollten wir schnell handeln.

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Warum sich die Landwirtschaft an ein sich änderndes Klima anpassen muss

Ohne Anpassung könnte der Klimawandel die weltweiten Ernteerträge bis 2050 um fünf bis 30\u00A0% verringern\u00A0. Andererseits könnten Landwirt:innen, die Anbauzeiten, Pflanzenarten und Wasserversorgung anpassen, ihre Erträge im Vergleich zu den derzeitigen Produktionsraten um sieben bis 15\u00A0% steigern\u00A0. Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass die Anpassung bei einer weiteren Erderwärmung (zwischen 1 und 2°C in den gemäßigten Breiten und 1,5 bis 3°C in den Tropen ) zunehmend schwieriger wird und weniger Nutzen bringt .

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Prognostizierte Ertragsänderung mit und ohne Anpassung

Wie könnte Anpassung aussehen?

Auf der ganzen Welt kann die Landwirtschaft sehr unterschiedlich aussehen – von der Ernte von Cranberries in Moorgebieten bis hin zur Kamelmilchproduktion . Das bedeutet, dass es eine riesige Vielfalt von Anpassungsmöglichkeiten für Landwirt:innen gibt\u00A0. Selbst einfache Veränderungen können einen Unterschied machen\u00A0. Zum Beispiel ernten französische Weinbäuer:innen ihre Trauben heute 30\u00A0Tage früher als noch vor 50\u00A0Jahren und 41\u00A0% der europäischen Winzer:innen sind bereit, neue Rebsorten anzubauen, die dem Klima angepasst sind\u00A0.

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Veränderte Erntezeiten aufgrund des Klimawandels

Anpassungen in der Landwirtschaft können auch weitaus größere Veränderungen beinhalten – zum Beispiel solche, die den Betriebsablauf beeinflussen. Von der Umstellung auf nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden\u00A0 bis hin zu Versicherungen für Nutzpflanzen\u00A0 ist vieles möglich. Ob große oder kleine Anpassungen, sie alle tragen dazu bei, den Agrarbetrieb widerstandsfähiger gegenüber Veränderungen zu machen, egal ob diese klimabedingt sind oder nicht\u00A0.

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Wie die Anpassung für verschiedene Arten der Landwirtschaft aussieht

Wann sollten wir anfangen?

Anpassungen gehörten immer schon zur Lebensweise dazu, solange der Mensch Landwirtschaft betrieben hat. Anpassung bedeutet, auf alle Arten von ökologischen und sozialen Veränderungen reagieren zu können\u00A0. Wenn es um den Klimawandel geht, könnte das bedeuten, Lösungen auszuprobieren und diese weiterzuentwickeln, indem wir immer wieder dazulernen\u00A0. An Orten wie in Subsahara-Afrika wird jedoch vorhergesagt, dass die landwirtschaftlichen Systeme in den nächsten fünf bis zwanzig Jahren Kipppunkte überschreiten werden\u00A0. Kipppunkte stellen Schwellenwerte dar, die, wenn sie überschritten werden, zu abrupten und schnellen Veränderungen der Umweltbedingungen führen\u00A0. Wenn wir diese „Punkte ohne Wiederkehr“ vermeiden wollen, brauchen wir wahrscheinlich einen sofortigen und tiefgreifenden Wandel\u00A0.

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Anpassungen überwachen

Was sind Hindernisse für die Anpassung?

Das offensichtlichste Hindernis für Anpassungen sind die Kosten. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Anpassung der Landwirtschaft (einschließlich Forstwirtschaft und Fischerei) an den Klimawandel bis 2030 zwischen 11,3 und 12,6\u00A0Milliarden Dollar kosten wird\u00A0. Einige Wissenschaftler glauben, dass diese Zahl zwei bis drei Mal höher sein könnte\u00A0.

Es gibt auch noch andere Schwierigkeiten, wie z.\u00A0B. das fehlende öffentliche Interesse\u00A0, die Konkurrenz um Landnutzungen zwischen unterschiedlichen Industriezweigen\u00A0 und die Frage, welche Technologien zur Verfügung stehen, um Landwirt:innen bei der Anpassung zu unterstützen\u00A0.

Wie können wir zu Anpassungsmaßnahmen ermutigen?

1. Verrückte Wissenschaftler:innen oder erfolgreiche Forschung?

Es gibt einen ganzen Wissenschaftszweig, der sich damit beschäftigt, landwirtschaftliche Verfahren zu verbessern, die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt zu verringern und genug Nahrung für alle sicherzustellen. Wenn wir diese Ziele Wirklichkeit werden lassen wollen, müssen wir diese Wissenschaft finanzieren\u00A0. Tatsächlich könnte jeder US-Dollar, der in die Erforschung landwirtschaftlicher Anpassung investiert wird, Entwicklungsregionen langfristig 3,7 bis 5,2\u00A0US-Dollar zusätzlich einbringen\u00A0.

Gentechnisch modifizierte (GM) Nutzpflanzen sind ein großartiges Beispiel dafür, wie uns Forschung in der Landwirtschaft bei der Anpassung an den Klimawandel helfen kann\u00A0.

Durch GM-Technologien wurden Nutzpflanzen erzeugt, die höheren Temperaturen, Wasserknappheit und Krankheitsausbrüchen standhalten können\u00A0. Neben der Entwicklung dieser neuen Arten kann die Gentechnik die genetische Vielfalt einer Art erhöhen, indem sie neue Varianten bestimmter Gene einführt\u00A0.

Image of GMOs (genetische modifizierte Organismen) können viele verschiedene Eigenschaften haben

GMOs (genetische modifizierte Organismen) können viele verschiedene Eigenschaften haben

Die datengestützte Forschung bietet auch vielversprechende Lösungen – von der Entwicklung präziserer Wettervorhersagen bis hin zu detaillierteren Bodenkarten\u00A0 –, die alle genauere Echtzeit-Informationen nutzen, um Landwirt:innen bei der Entscheidung zu helfen, wie sie sich am besten anpassen können. Diese Forschung ist wirklich hilfreich, denn je mehr Informationen wir haben, um Entscheidungen zu treffen, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir die richtigen Anpassungsmaßnahmen wählen\u00A0.

2. Steuerung durch Regierung und Politik

Regierungsmaßnahmen sind Teil eines sogenannten „Top-Down“, also von oben nach unten gerichteten, Ansatzes\u00A0. Während Gemeinden und Unternehmen auf Veränderungen drängen können, haben die Regierungen bei der Anpassung immer noch das Sagen\u00A0. Das liegt daran, dass sie Gesetze und Richtlinien schaffen, die es den Landwirt:innen wiederum leichter (oder schwerer) machen, sich anzupassen.

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Für die richtige Anpassung ist ein gemeinschaftlicher Ansatz erforderlich

Regierungen sind auch wichtig, wenn es um die Finanzierung der Landwirtschaft geht. Zwischen 2014 und 2016 gaben Regierungen insgesamt 568 Milliarden US-Dollar pro Jahr für den Agrarsektor aus . Diese finanzielle Unterstützung muss heute mehr denn je die Kosten für die Anpassung der Landwirtschaft berücksichtigen.

Welche konkreten politischen Maßnahmen könnten also helfen? Seit den 1990er-Jahren liegt der Schwerpunkt auf Programmen, bei denen Regierungen denjenigen Menschen Geld zahlen, die das Land bewirtschaften, damit sie die Gesundheit ihrer regionalen Ökosysteme fördern\u00A0. Fallstudien zeigen, dass eine klare Definition der Umweltergebnisse dieser Programme (z.\u00A0B. bessere Wasserqualität, höhere Artenvielfalt) die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns verringert. Wo sie erfolgreich sind, helfen solche Programme den Landwirt:innen, widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu werden\u00A0.

3. Wirtschaft

Staatliche Programme sind nicht die einzige Möglichkeit, die Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren: Auch andere Organisationen, darunter Banken und private Unternehmen, finden Wege, um Menschen bei der Anpassung zu helfen.

Das „Africa Disaster Risk Financing Programme“ (übersetzt etwa das Afrika-Katastrophen-Risiko-Finanzierungsprogramm) tut dies, indem es Klimarisiken identifiziert und daran arbeitet, die finanziellen Verluste von Naturkatastrophen zu minimieren\u00A0. Dies funktioniert zum Teil über ein Versicherungssystem, das Landwirt:innen im Falle einer klimabedingten Katastrophe entschädigt\u00A0. Abgesehen von der Teilnahme an ähnlichen Programmen können sich Landwirte auch anpassen, indem sie neue Wege finden, Geld außerhalb der traditionellen Landwirtschaft zu verdienen\u00A0. Mögliche Optionen sind der Tourismus oder das Betreiben von Projekten für erneuerbare Energien\u00A0.

Image of Diversifizierung ist auch eine mögliche Anpassungsstrategie für Landwirt:innen

Diversifizierung ist auch eine mögliche Anpassungsstrategie für Landwirt:innen

4. Bewährte Verfahren teilen – Erzähl’s deinen Freunden!

Auf individueller Ebene stellen sich viele Landwirt:innen den Klimaproblemen mit einem bodenständigen Anpassungsansatz\u00A0. Und zwar indem sie sich vernetzen und mit benachbarten Landwirt:innen Lösungen teilen und voneinander lernen\u00A0.

In Neuseeland helfen " Vorzeige"-Bäuer:innen, andere bei der Anpassung zu beeinflussen ; in Niger hat die von Bäuer:innen betriebene Wiederaufforstung zu einer 10-fachen Zunahme der Baumbestände geführt (um die Auswirkungen von Sturmfluten zu bekämpfen) sowie zu verbesserten Erträgen und Bodenfruchtbarkeit .

Image of Freundliche Landwirt:innen sind entscheidend für die Anpassung der Landwirtschaft

Freundliche Landwirt:innen sind entscheidend für die Anpassung der Landwirtschaft

Der nächste Schritt ist der Austausch dieser Ideen mit Forscher:innen und Organisationen auf nationaler und internationaler Ebene\u00A0, um sicherzustellen, dass die Menschen in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden, deren Land und Lebensgrundlage betroffen sind\u00A0.

Einige Gruppen – insbesondere Frauen, Jugendliche und indigene Völker – sind unverhältnismäßig stark betroffen, wenn die Umwelt nicht richtig bewirtschaftet wird\u00A0. Um dem entgegenzuwirken, zeigen Studien, dass die Einbeziehung dieser Gruppen in die Entscheidungsfindung zu besseren Ergebnissen sowohl für die Menschen als auch für den Planeten führen kann\u00A0. Zum Beispiel ist die Abholzung im Amazonasgebiet zwei bis drei Mal geringer in Gebieten, in denen indigene Völker legale Rechte an ihrem Land haben\u00A0. Wir können uns daher anpassen, indem wir indigene Rechte gesetzlich anerkennen\u00A0 und indigenes Wissen nutzen, um mit dem Klimawandel und der Bedrohung der zukünftigen Ernährungssicherheit umzugehen\u00A0. Außerhalb dieser Gemeinschaften könnten die landwirtschaftlichen Erträge in Entwicklungsländern um 2,5–4\u00A0% gesteigert werden, wenn mehr Frauen besser ausgebildet und mit besseren Werkzeugen ausgestattet würden. Das wäre genug, um über 100\u00A0Millionen Menschen zu ernähren\u00A0!

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Die geschlechtsspezifische Ertragskluft

Was jetzt?

Wir haben gelernt, dass wir Menschen, Technologie und Forschung brauchen, um die Art und Weise, wie wir Landwirtschaft betreiben, anzupassen. Neben den Maßnahmen von Regierungen und internationalen Banken\u00A0 müssen wir sicherstellen, dass die Landwirt:innen ein Mitspracherecht haben, wie wir jetzt und in Zukunft Lebensmittel produzieren. Durch die Kombination von wissenschaftlicher Forschung und regionalen landwirtschaftlichen Techniken können wir besser verstehen, wie wir einen reibungslosen Übergang zu einer klimaresistenten Landwirtschaft unterstützen können\u00A0.

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